AUS.ZEIT. – Fotos und Gedanken – Woche 2

18.07.2025 / Einfach mal probieren. Könnte ja gut sein.

Heute gehen wir auf Entdeckungstour. Nicht weit, nicht spektakulär geplant – und doch voller kleiner Erlebnisse. Kulturell und kulinarisch.

Zunächst erkunden wir den schwarz-weiß- gestreiften Leuchtturm von Contis, Matti von innen, ich von außen. Während meine Nichte Stufen zählt, oben ankommt und den Blick über Meer, Dünen und Wälder schweifen lässt, bleibe ich unten zwischen den Pinien. Ich mache es mir im Schatten gemütlich und lausche einem ganz besonderen Konzert: kein Orchester, keine Bühne – nur die Grillen. Laut. Beharrlich. Dazu die warne Luft und dieser leicht harzige Duft, der in der Luft hängt: Sommer pur.

Abends dann wartet die nächste Entdeckung – auf der Speisekarte. Ich bestelle Gambas. Ohne genau zu wissen, wie man die eigentlich isst. Mit Besteck? Mit den Fingern? Erst zögerlich, dann entschlossen probiere ich und staune: Gar nicht so schwer. Gar nicht so fremd. Eigentlich sogar ziemlich gut.

Und während wir da sitzen, zwischen leeren Tellern und vollen Eindrücken, stellen wir fest:

Einfach mal probieren.
Könnte ja gut sein.

Foto: Phare de Contis

19.07.2025 / Wiedersehen macht Freude

Je näher wir unserem heutigen Etappenziel kommen, desto stärker breitet sich die Freude in mir aus. Die Straße, das Meer, das Licht – hier sind so viele Orte, die Erinnerungen wachrufen. Erinnerungen an Wege, die ich schon einmal gegangen bin. Zusammen mit Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind. Hier haben wir gelacht, geredet, geschwiegen und auch mal geweint. Die Pilgertour auf dem Camino del Norte liegt schon ein bisschen zurück, aber vieles fühlt sich noch ganz nah an. Und diese schönen Erinnerungen bringen mich unweigerlich zum Lächeln.

Und dann – angekommen in Zarautz – treffen wir meine Schwester und meinem Schwager wieder.  Familie. Vertraute Stimmen, vertraute Gesten, dieses selbstverständliche Gefühl von Zugehörigkeit.

So bedeutet Wiedersehen hier zweierlei: Menschen wieder in den Arm zu schließen und an Plätze zurückzukehren, die ein Stück der eigenen Geschichte tragen. Beides tut gut.

Foto: Zarautz

20.07.2025 / Zack glücklich

Viele Wolken heute am Himmel.
Der Strand fast leer,
das Licht weich, ein bisschen grau.
Es ist ruhig.

Aber wir können nicht anders.
Müssen trotzdem rein ins Wasser.

Und wieder staune ich
über diese heilsame Kraft des Meeres.
Wie es alles Schwere abstreift.
Wie es Gedanken klärt.
Wie es aus einem grauen Himmel einen weiten macht:

Einmal untergetaucht – zack, glücklich.

Und so lass euch mich heute
vom Meer des Möglichen mitreißen.
Und tragen von der Leichtigkeit des Seins.

Mal schauen,
wo es mich hintreibt.

Foto: Zarautz

21.07.2025 / Essen ist Lebensfreude

Es ist nicht zu übersehen: Essen ist Lebensfreude.

Mittags in einer Bar in Zarautz: vor uns ein paar „pintxos“ auf dem Tisch,  ein Glas Weißwein in der Hand. Um uns herum Stimmengewirr, Gelächter.
Menschen, die eng beieinanderstehen oder zusammensitzen. Teilen, probieren, nachbestellen.
Keiner hat es eilig.

Es ist nichts Großes – und doch ist es alles. Essen verbindet. Es bringt uns an einen Tisch, ins Gespräch, ins Hier und Jetzt. Essen ist nicht nur Sattwerden. Es ist Austausch. Genuss. Gemeinschaft.

Sollten wir viel öfter machen: zusammen essen, zusammen genießen. Denn:

Essen ist Lebensfreude.
Pure Lebensfreude

Foto: Pimientos de Padrón

22.07.2025 / Die Farbe der Gedanken

Ich sitze am Strand, spüre den feuchten Sand unter den Füßen, höre das Rauschen der Wellen und staune über die Vielzahl an Blautönen, die das Meer mit jeder Welle hervorbringt. Mal tief und dunkel, mal hell und glitzernd, mal so klar, dass sich der Himmel darin spiegelt. Mehr Blau als Meerblau geht nicht.

Plötzlich ist da diese Frage in meinem Kopf: „Nimmt meine Seele vielleicht auch die Farben meiner Gedanken an?“ Wenn ja, dann ist sie heute Meerblau. Ein Blau, das nicht einfach nur Blau ist, sondern lebendig und ruhig zugleich. Es trägt Sehnsucht in sich, ebenso wie Gelassenheit, Tiefe und ein kleines Funkeln.

Meerblau heißt heute für mich: nicht eintönig, sondern vielschichtig. Erinnerungen mischen sich mit Sehnsucht, kleine Freuden schleichen sich hinein, Sorgen lösen sich auf wie Schaum auf den Wellen.

So, fühlt sich Meerblau an – tief, klar, bewegend und beruhigend zugleich 💙.

Foto: Zarautz

23.07.2025 / Schöne Erinnerungen

„Das Zweitbeste nach dem Genuss einer schönen Zeit ist die Erinnerung daran.“

Hier, an der baskischen Küste, werden so unfassbar viele Erinnerungen wach. Erinnerungen an eine Reise, die mich bewegt und verändert hat. Mal wieder bin ich dankbar für all die Momente, die ich in meinem Herzen bewahre und an die ich gerne zurückdenke. Wenn ich Glück habe, begleiten mich diese Erinnerungen noch lange.

Und genau das empfinde ich als Geschenk. Ein Geschenk, das wir jeden Tag aufs Neue auspacken dürfen. Ein Geschenk, das wir staunend von allen Seiten betrachten können und das uns immer wieder neu Freude bereitet. Ein Geschenk, das sich nicht verbraucht und das wir im besten Fall sogar teilen und vergrößern können.

Und deshalb werde ich jetzt mit Lust und Laune neue Erinnerungen schaffen. Jede Menge. Erinnerungen, die mich hoffentlich lange begleiten werden!

Foto: Camino del Norte, Zarautz

24.07.2025 / wear what makes you happy

Heute San Sebastian: ein bisschen Stadtluft, ein bisschen Shopping, viele neue Eindrücke.

Und dann, mitten beim Shoppen, hängt plötzlich diese Frage in der Luft: Warum lege ich eigentlich so viel Wert auf die Meinung anderer? Ist es nicht viel wichtiger, mir selbst zu gefallen als anderen?

Wie zur Bestätigung fällt mir ein kleines Schild auf einer Tasche ins Auge: wear what makes you happy.

Plötzlich fühlt sich alles klar und einfach an. Tragen, was mich glücklich macht. Ganz egal, ob es anderen gefällt. Wenn es mir guttut, zählt sonst nichts.

Ein kleiner Moment. Ein kleines Schild. Und plötzlich hat sich ein großer Knoten gelöst.

Foto: San Sebastian