AUS.ZEIT. – Fotos und Gedanken – Woche 3

25.07.2025 / Die stille Kraft der Steine

Steine üben auf mich eine große Anziehungskraft aus. Das war schon immer so. Und so ist das Steine sammeln im Urlaub über die Jahre hinweg zu einem festen Ritual geworden und ich bin heute im wahrsten Sinne des Wortes STEIN.REICH.

Der eigentliche Reichtum aber sind nicht die gesammelten Steine, sondern die mit ihnen verbundenen Erinnerungen. Jeder einzelne erzählt eine kleine Geschichte und lässt mich in Gedanken erneut auf die Reise gehen.

Auch hier in Zumaia wandert ein Stein in mein Reisegepäck.

Mehr noch als die kleinen Steine aber ziehen mich hier die großen Felsformationen in ihren Bann. Wie ein aufgefaltetes Buch liegen sie vor mir und dokumentieren viele Jahrmillionen der Erdgeschichte. Es ist ihre stille Kraft, die mich so fasziniert. Das Meer streicht über ihre Oberfläche, der Wind flüstert durch die Spalten und alles, was geschah und geschieht, wird von ihnen still bewahrt.

Hier glaube ich, das Flüstern der Zeit zu hören – nicht drängend, nicht laut, sondern leise und stark.

Foto: Zumaia 

26.07.2025 / Ja sagen

Es ist der letzte Tag in Zarautz. Noch einmal atme ich die salzige Luft ein, lasse den Blick über den weiten Strand schweifen, als plötzlich ein verlockender Duft meine Nase streift: frisch gebackene Churros. Warm, süß, verheißungsvoll.

Und da ist sie, diese kleine innere Frage: Möchte ich mir das jetzt gönnen?
Ja. Definitiv. Möchte ich.

Kurze Zeit später: Ein Café con leche in der Hand, Zucker auf den Fingerspitzen, das Meer direkt vor mir – manchmal ist Glück ganz einfach. Es braucht
nur einen Moment, in dem man Ja sagt. Ja zu diesem Augenblick. Ja zum Genuss. Ja zum Innehalten.

Der letzte Tag in Zarautz fühlt sich nun nicht mehr nur nach Abschied an – eher nach einem bewussten Noch-einmal-Hinsehen. Noch einmal schmecken. Noch einmal genießen.

Foto: Zarautz

27.07.2025 / Irgendwo im Nirgendwo

STANDORT.WECHSEL.

Vom Meer in die Berge, von der Küste ins Landesinnere, vom Trubel in die Stille.

Was für ein Kontrast. Unser Stellplatz liegt irgendwo im Nirgendwo. Kein Schild weist den Weg dorthin. Kein Reiseführer hebt ihn hervor. Und doch fühle ich sofort: Hier bin ich richtig.

Hier gibt es nicht viel, nur Raum. Viel Raum. Raum für mich selbst, für meine Gedanken und Bedürfnisse. Raum für eine kleine Erkundungstour mit dem Fahrrad – ohne Ziel, ohne Plan. Einfach los. Ich lande im nächsten Ort, halte an und staune. Wie schön es hier ist: dieser Platz, die alte Kirche aus Stein und dahinter die Berge, die den Himmel zu berühren scheinen.

Irgendwo im Nirgendwo kann es ziemlich schön sein. Und manchmal ist genau das der richtige Ort.

Foto: Axpe

28.07.2025 / Pfad der Zuversicht

Auch in Bilbao klappt alles wunderbar, und wir bekommen einen Premium-Stellplatz mit Blick auf die Stadt. Wieder einmal frage ich mich, warum ich mir vorher eigentlich so viele Gedanken gemacht habe.

Etwas später dann fällt mir an einer Hauswand Mosaik auf. Es wirkt, als wolle der alte Mann uns willkommen heißen und den Weg weisen.

Er zeigt nach vorne – als wollte er sagen: „Geh voran, vertrau.“ Ich bleibe stehen. Nicht wegen der Kunst, sondern wegen der Botschaft, die mal wieder geradezu für mich bestimmt zu sein scheint. Dabei kommen mir die Zeilen eines Liedes in den Kopf:

„Vertrau und geh voran, denn was auch immer Du erlebst, es ist jetzt dran. Um Dir zu zeigen, dass Du stets gehalten bist, von jener Kraft, die Dich umgibt und liebt. „

Ja, ich höre diese leise Stimme, die mir sagt, dass alles gut werden wird. Und ich beschließe, auf sie zu hören – und von nun an dem Pfad der Zuversicht zu folgen.

Foto: Bilbao

29.07.2025 / Da kommt noch mehr

Einen weiteren Tag verbringen wir in Bilbao. Einer Stadt, in der nichts gewöhnlich ist. Selbst die Brücken wirken wie Kunstwerke – oder bilden sie den Rahmen für das eigentliche Kunstwerke, die Stadt selbst?

Ich gehe am Wasser entlang und lasse den Blick schweifen. Geschwungene Linien, mutige Formen, überall spüre ich die Energie dieser Stadt.

Und während ich gehe, wird mir bewusst: Da kommt noch mehr. Noch so viele Tage liegen vor mir. Noch so viele Möglichkeiten, mich selbst zu entdecken, zu wachsen, Neues zu sehen.

Ich atme tief ein, spüre die Lebendigkeit der Stadt, und aus dem Gedanken wird ein leises Versprechen an mich selbst: neugierig zu bleiben, offen zu sein – für alles, was noch kommt.

Foto: Bilbao

30.07.2025 / Hilfsmittel gegen graue Stimmung

Heute spüre ich wieder, wie schnell so ein grauer Tag die Stimmung trübt – wir alle legen Symptome von „Grauigkeit“ an den Tag: Antriebslosigkeit, fehlende Energie und hängende Mundwinkel. Die einzige Rettung? Farbigkeit! Am besten geliefert von der Sonne höchstpersönlich. Und siehe da: Die Abendsonne gibt alles, mischt warmes Gold mit Orange und Lila, taucht den Himmel in Pastell und verwandelt den Sonnenuntergang in ein kleines Happening. Am Strand und auf der Mauer sitzen Menschen, nippen am Wein, knabbern Snacks – der Farbrausch wirkt wie ein kleiner Zaubertrank. Ein besseres und schnelleres Heilmittel gibt es wohl nicht.

Foto: Ría de Treto, Laredo

31.07.2025 / Türen bauen und öffnen

Heute in Laredo lese ich etwas auf einer Tür, das mich nachdenklich innehalten lässt:

Respekt ist der Schlüssel, der alle Türen öffnet„.

Es ist nur eine kleine Botschaft, aber eine mit großem Inhalt. Ich überlege, was wohl der Anlass war, diese Botschaft aufzuschreiben. War es eine gegenteilige Erfahrung? Die Erfahrung mangelnder Wertschätzung? Oder eben genau die aufgeschriebene Erfahrung – eine kleine Geste, eine Aufmerksamkeit, ein Zuhören? Klopfe ich manchmal selbst an Türen, ohne zu bemerken, dass ich den Schlüssel längst in den Händen halte?

Mir kommt ein anderer Spruch in den Kopf, den ich ebenfalls heute gelesen habe: „Wenn die Gelegenheit nicht anklopft, bau ihr eine Tür.“

Ich muss schmunzeln: Ja, warum nicht? Wenn Chancen auf sich warten lassen und Wege blockiert erscheinen, liegt es an mir, kreativ zu werden. Eine eigene Tür zu bauen. Mit Mut und mit Entschlossenheit.

Vielleicht sind es Respekt und ein bisschen Mut zusammen, die Türen öffnen – die, die schon da sind, und die, die wir selbst erschaffen.

Foto: Laredo