AUS.ZEIT. – Fotos und Gedanken – Woche 8
29.08.2025 / Wenn Tränen zu glitzernden Perlen werden
Nur noch ein paar Tropfen erzählen vom Regen der letzten Nacht: sie sind zurückgeblieben und ruhen nun auf dem Blatt – wie Tränen, die noch nicht getrocknet sind. Wenn das Licht sie findet, werden sie zu glitzernden Perlen. Zu einem leisen Versprechen: Auch das, was zunächst nur schwer und dunkel erscheint, wird irgendwann zu etwas, das funkelt und glitzert. Vielleicht braucht es manchmal einfach nur Zeit, um zu erkennen, dass selbst die dicksten Tropfen ein Funkeln in sich tragen.
Foto: Camping Les Genêts, Soulac-sur-Mer
30.08.2025 / „Pas de problème“
Am Ende der Dünen flattern die französischen Fahnen im Wind – mich erinnern sie an die große Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Franzosen, die ich in den letzten Tagen erleben durfte. Immer wieder habe ich Hilfe erhalten, ganz selbstverständlich, begleitet von einem „bien sûr“, „pas de problème“… Ob es darum ging, die Batterie im Schlüssel zu wechseln, für mich irgendwo anzurufen oder mir ganz praktisch unter die Arme zu greifen – Unterstützung war immer da. Es tut unglaublich gut zu spüren, dass Menschen mitfühlen. Ich bin von Herzen dankbar für all diese kleinen und großen Gesten. Merci beaucoup 💛!
Foto: Soulac-sur-Mer
31.08.2025 / Tränen zum Trocknen aufhängen
Heute habe ich mal keine Wäsche aufgehängt, sondern Regentropfen. Und wohl auch ein paar Tränen. Leise flattern sie im Wind und ich hoffe, sie trocknen schnell. All die Tränen für die kleinen und großen Sorgen, die Schmerzen, und die Gefühle, die mein Herz überlaufen lassen. Und vielleicht wird nach dem Trocknen ja alles wieder ein bisschen leichter 💛.
Foto: Camping Les Genêts, Soulac-sur-Mer
01.09.2025 / Kopf hoch
Ja, ich bin noch da… 😃. Die letzten Tage haben ihre Spuren hinterlassen und ich frage mich manches Mal, wozu das alles gut ist. Noch kann ich den Sinn nicht ganz erkennen, aber vielleicht dauert das einfach. Ich merke nur, dass ich viel Hilfsbereitschaft erfahre, ein ganzes Netzwerk an Menschen um mich herum habe und mein französischer Wortschatz wächst 😉. Ich übe mich in Geduld und ja, vielleicht bin ich auch ein bisschen gewachsen an meinen Aufgaben. Mutiger geworden. Aber ich habe auch ganz schön Körner gelassen. Mal war es die Angst, mal das Alleinsein, mal der Schmerz. Aber trotzdem: „Il n’y a pas de mal sans bien.“ Deshalb: Kopf hoch und nach vorne schauen! Vertrauen, dass alles einen Sinn hat.
„Gott, manchmal passieren unvorhergesehene Dinge, die einen herausfordern, ganz viel Mut und Kraft von einem fordern.
Manchmal fragt man sich dann „Warum? Warum ich? Warum überhaupt? Wo liegt der Sinn bei dem ganzen?“ Und manchmal wissen wir es auch im Nachhinein noch nicht…
Aber wir vertrauen dir und deinem Weg. Du begleitest uns und nimmst uns an die Hand.
Bei dir sind wir geborgen. Jetzt und in Ewigkeit.
Amen.“ Frengels
Foto: Amélie-plage
02.09.2025 / Lesestoff
Heute wäre es dann doch beinahe passiert und ich hätte fast vergessen, ein Foto zu machen. Das mir das passieren kann…😳😉
Aber es war auch ein grauer Tag, ein untätiger Tag. Gut, dass ich genügend Lesestoff dabei habe, denn so kann ich für einen Moment eintauchen in eine andere Welt. Lange sitzen kann ich zwar nicht, aber immer wieder kann ich meinem Kopf und meinen Gedanken auf diese Weise für einen Moment eine kleine Auszeit gönnen. Und manchmal reichen genau diese kleinen Momente schon aus, um meine Gedanken umzulenken und mir ein wenig Erleichterung zu verschaffen.
Foto: Camping Les Genêts, Soulac-sur-Mer
03.09.2025 / „Je suis fragile“
Zwischen den jungen Pflanzen in den Dünen steht dieses bunte, auffällige Schild: „Je suis fragile“.
Und ich denke mir: Ja, genau so fühle ich mich im Moment auch – verletzlich, empfindsam, angewiesen auf Unterstützung.
Und vielleicht ist genau das der richtige Weg: Die eigene Zerbrechlichkeit nicht zu verstecken, sondern sie sichtbar zu machen, um Unterstützung zu bitten – so wie dieses Schild es tut. Und sich dann in der Schwäche bewahrt zu fühlen.
Foto: Soulac-sur-Mer
04.09.2025 / FREI.LEGEN.
Die Geschichte der Kirche in Soulac-sur-Mer fasziniert mich: Fast wäre sie im 18. Jahrhundert im Sand verschwunden und noch immer liegen vier Meter Stadtgeschichte unter ihren Füßen begraben. Denn als man die Basilika wieder freilegte, hörte man irgendwann auf zu graben – um nicht zukünftig den Gottesdienst mit den Füßen im Wasser zu feiern…
Ich glaube, auch wir laufen manchmal Gefahr, „verschüttet“ zu werden: Vom Alltag, von Aufgaben und Pflichten, Sorgen… Aber wir können da raus kommen, freigraben, was ans Licht soll. Luft zum Atmen gewinnen. Wir müssen nur den Entschluss dazu treffen und anfangen – aber vielleicht muss auch gar nicht immer alles freigelegt werden. Manches darf auch ruhen und schützt uns so vor nassen Füßen 😉.






