
Vor mir auf dem Herd steht ein Topf mit Suppe. Der Dampf steigt leise auf und die Gerüche füllen den Raum: würzig, warm, fast ein wenig tröstlich. Mit der Kelle schöpfe ich etwas in meinen Teller und ich weiß, das warme Essen wird mir gut tun. Schon höre ich meine Mama sagen: „Es gent doch nichts über einen warmen Löffel im Bauch“. Recht hat sie.
Es ist ungewohnt, wie kräftezehrend gerade selbst kleine Handgriffe und Wege sind. Jede Bewegung, jeder Weg will geplant sein. Alles braucht mehr Zeit als gewöhnlich und ohne Hilfe geht vieles nicht. Die Langsamkeit zu akzeptieren, geduldig zu sein – ist auch das eine Form von Kraft? Innerer Kraft?
Langsam löffle ich die Suppe und spüre, wie sich die Wärme in mir ausbreitet, wie die Kraft zurück kommt. Im Moment geht es nicht darum, dass ich etwas leiste oder produktiv bin, sondern darum, heil zu zu werden. Ich darf mir Zeit lassen. Zulassen, versorgt zu werden. Und während sich der Teller vor mir langsam leert, merke ich, wie nicht nur mein Magen voller wird, sondern auch Zuversicht und Stärke leise in mir wachsen.
Manchmal reicht schon ein Teller Suppe, um wieder neue Kraft zu schöpfen.