
BALANCE.HALTEN.
Drei Wochen ist es her, dass ich gestürzt bin. Ein kleiner Moment nur und alles ist anders. Es ist, als ob das Leben einmal kurz die Pausentaste gedrückt hätte. Als ob es sagen würde: Einmal bitte aussteigen aus dem Alltags-Karussell.
Seit dem Unfall und der darauf folgenden OP darf ich meinen Fuß nicht belasten. Sechs Wochen insgesamt, drei sind schon geschafft.
Die meiste Zeit bin ich dabei guter Dinge. Schaue zu, wie das Karussell sich weiter dreht und stelle mich den neuen Herausforderungen: Ich organisiere mich neu, nehme Hilfe an, übe mich in Geduld.
Und doch gibt es diese Augenblicke, in denen mir alles schwerfällt. In denen ich merke, wie sehr mir das Selbstverständliche fehlt: einfach losgehen zu können. Fest auf beiden Beinen zu stehen. Es nervt mich, beim Gehen nie die Hände frei zu haben und abhängig zu sein von Planung und Pausen. Auch mein neuer Alltag außerhalb des Karusells ist anstrengend. Anders anstrengend.
Mein Blick bleibt an einem Foto aus dem letzten Jahr hängen: Vier Steine, aufeinander gestapelt. Etwas wacklig, aber sie stehen. Auf unebenem Grund, ohne Befestigung, ohne Sicherung. Wacklig und standhaft zugleich.
Genau so fühle ich mich gerade: Auch ich wackle manchmal, bin manchmal müde – und halte doch die Balance. Ich lerne, dass Geduld und Vertrauen, Akzeptanz und Zuversicht, Zuwendung und Zuspruch wie ein innerer Balancierstab wirken. Einer, der mich ausrichtet, wenn ich schwanke.
Und so bedeutet Heilung für mich im Moment nicht, Höhe zu gewinnen. Sie bedeutet, Halt zu finden – das Gleichgewicht zu halten. Tag für Tag. Bis ich wieder auftreten darf. Ganz vorsichtig.