AUF.BLICKEN.

Da steht er: dieser große Baum, mitten im Park und zieht meinen Blick wie magisch an. Die Blätter werden von der Sonne angestrahlt und leuchten von gelborange bis tiefrot. Im Wind wirken sie wie ein flackerndes Kaminfeuer.

Ich kann nicht anders und gehe quer über die Wiese auf ihn zu. Je näher ich komme, desto unebener wird der Boden. Ich achte auf meine Schritte, um nicht über das Wurzelwerk zu stolpern. Und doch zieht es mich weiter. Ich möchte den Baum berühren. Meine Hände auf diesen mächtigen Stamm legen. Und genau das mache ich. Ehrfürchtig. Staunend.

Wie viele Jahre wohl in ihm stecken? Was hat er alles gesehen? Haben sich hier Menschen getroffen, sind geblieben oder weitergegangen? Wie viele haben sich an seinen Stamm gelehnt, haben geschwiegen oder leise Geschichten ausgetauscht? Wie viele Kinder sind um ihn herumgelaufen, haben gespielt, sind vielleicht sogar ein Stück an ihm hinaufgeklettert?

Und nun stehe ich hier. Ein Augenblick unter vielen.

Mein Blick wandert nach oben. Der Stamm führt beinahe in den Himmel. Die Äste verzweigen sich, breiten sich aus, strecken sich dem Licht entgegen. Verbunden und doch in viele Richtungen offen.
Leben ist selten gerade, denke ich. Und oft gibt es mehr als nur einen Weg, der ins Licht führt.

Ich bleibe noch einen Moment stehen. Und während sich mein Blick hebt, wird etwas in mir ruhiger. Weiter. Fast so, als hätte auch ich mich ein Stück aufgerichtet.