AUS.ZEIT. – Fotos und Gedanken – Woche 10

12.09.2025 / Schauen, ob die Welle trägt

Manchmal muss man einfach losgehen – auch wenn ungewiss ist, was kommt. Wird die Welle mich tragen oder bleibt das Meer still? Wenn ich nicht gehe, werde ich es nie erfahren. Bleibe genau dort, wo ich immer schon war. Erst in der Bewegung öffnet sich Neues und erfahre ich, wie es sich anfühlt, von der Welle getragen zu werden. Ein Glück, das im Warten nicht entstehen kann.

Doch so klar und einfach wie das klingt, ist es nicht. Denn da sind ja noch sie: die Sorgen. Manche haben ihre Berechtigung, andere hingegen rauben uns nur die Kraft für das Heute und Morgen. Warum sich den Kopf über etwas zerbrechen, das vielleicht nie eintritt?
Ich ertappe mich oft dabei, viel zu viel zu grübeln. Und genau deshalb versuche ich, immer öfter mal einfach loszugehen, den frischen Wind zu spüren und zu schauen, ob die Welle mich trägt…

« Peut-être que la prochaine vague sera la bonne. »

Foto: Lacanau-Océan

13.09.2025 / Abschied nehmen

Liebes Meer,
nun heißt es also tatsächlich Abschied nehmen. Eine lange, lange Zeit hast du mich begleitet – viele Tage lang habe ich dich jeden Tag gesehen oder zumindest doch gehört. Mal hast du mich getragen, mal umspült, mal hast du mir einfach nur Raum gegeben und mich atmen lassen. Dein Rauschen war mir Trost, deine Weite ein Versprechen, deine Kraft ein Symbol für alles, was in mir bewegt war. Ich habe mit dir geschwiegen, mit dir gelacht, mit dir gestaunt, mit dir geweint.
Noch einmal schaue ich dir zu, wie deine Wellen kommen und gehen, wie die Lichtpunkte auf deiner Oberfläche tanzen und wie du kraftvoll und sanft zugleich bist.
Noch einmal nehme ich einen tiefen Atemzug, spüre das Salz auf meiner Haut, den Wind in meinen Haaren und den Sand unter meinen Füßen.
Morgen geht es ins Landesinnere, aber ich weiß, du bist da. Wirst es auch morgen und übermorgen noch sein. Und vielleicht sehen wir uns ja ganz bald wieder. Liebes Meer, danke dir für jeden einzelnen Augenblick! 🌊💙

Foto: Lacanau-Océan

14.09.2025 / BRÜCKEN.TAG.

Heute habe ich mal wieder Worte gelesen, die hängengeblieben sind: „Das uralte »Fürchte Dich nicht!« ist eine Brücke. Du kannst sie benutzen, weitergehen.“ (C. Brudereck)

Und während die Worte noch in mir nachklingen, stehe ich plötzlich vor dieser Brücke. Ich bleibe stehen, schaue hinüber und frage mich, wie es wohl wäre, mein Angst (also nicht die vor der Brücke, sondern generell 😉) hier auf der einen Seite zurückzulassen. Einfach den ersten Schritt zu wagen und rüberzugehen – um befreit auf der anderen Seite anzukommen.“Könnte man ja mal ausprobieren“, denke ich mir. Und so stelle ich mir vor, wir ich die Angst vor der Brücke ablege, um ohne sie weiterzugehen. Ich stelle mir vor, wie jemand sanft meine Hand nimmt und leise flüstert „Fürchte dich nicht. Du bist nicht allein.“ Ein sanfter Schubs in den Rücken bringt mich in Bewegung und vorsichtig setze ich einen Schritt vor den anderen: zögerlich zuerst – komme ich mir doch ein bisschen komisch vor-, dann leichter, dann schneller. Auf der anderen Seite angekommen, atme ich tief durch, drehe mich noch einmal um und denke: „Oh ja, so ein bisschen Abstand zwischen der Angst und mir ist gar nicht schlecht. Soll sie mal schön da drüben bleiben 😄.“

Foto: Domaine de Certes-Graveyron

15.09.2025 / Das Ende des Sommers

Mir war nicht bewusst, dass das Ende des Sommers so nah ist. Von einem Tag auf den anderen ist er plötzlich da, der Herbst. Gestern war noch Sommer und heute ist alles anders: Es liegt ein feiner Nebel in der Luft und auch die Gerüche haben sich verändert. Es ist nicht mehr der trockene Duft der Pinienwälder, der vorherrscht, sondern ein feuchter, erdiger Geruch. Die ersten Blätter werden vom Wind durch die Luft gewirbelt und landen sanft auf dem Wasser. Die Tage werden spürbar kürzer und nachts kühlt es deutlich ab. Ja, der Herbst hat Einzug gehalten und
alles wirkt ruhiger – als würde die Welt einmal tief durchatmen. Was wird er forttragen, was zu mir bringen, dieser Herbst? Ich bin gespannt…

Foto: Canal de Garonne

16.09.2025 / PLATZ.WAHL.

Die richtige PLATZ.WAHL. ist manchmal gar nicht so einfach – v.a. wenn viel Platz da ist 😉. So ging es mir heute bei der Ankunft auf diesem Campingplatz. Ich darf mir einen Platz aussuchen und bin im ersten Moment völlig überfordert. Schatten oder Sonne? Nah am Waschhaus oder weiter weg? Und was ist mit Strom und der Möglichkeit, Wäsche aufzuhängen?
Und dann denke ich: „Stopp, mach einfach“ und lasse mein Herz entscheiden: Ich wähle den Platz, der mich am meisten anspricht. Der mir ein heimeliges Gefühl vermittelt. Er ist vielleicht nicht ideal, weil ziemlich uneben und selbst die Keile und Luftfedern können das Gefälle nicht ausgleichen. Aber es ist der Platz, den ich haben möchte. Mein Platz. Da bin ich mir sicher.

Und im Leben? Auch da suche ich schon eine ganze Weile nach meinem Platz und frage mich, wo ich hingehöre. Vielleicht verrät mir mein Herz ja auch dort noch den Weg…

Foto: Camping Vallée du Lot

17.09.2025 / Leichtigkeit bewahren

Nachdem der Herbst seinen kurzen Gastauftritt hatte, steht heute nun wieder der Sommer auf der Bühne, mitten im September – zumindest fühlt es sich so an.
Das Wasser schimmert klar und leicht, einladend. Und natürlich kann ich der Einladung nicht widerstehen. Die Sonne wärmt die Haut, der Himmel spannt sich weit und makellos blau über dem stillen Pool. Mal wieder habe ich das Wasser ganz für mich alleine. Wo auch immer all die Menschen sind, die im September Urlaub machen. Hier nicht.
Vielleicht ist es nur ein kurzes Zwischenspiel des Sommers, vielleicht bleibt er noch ein bisschen.
Gerade jetzt fühlt sich auf jeden Fall alles nach Juli an: nach Sonne, Wasser und Draußenzeit. Nach Leichtigkeit – einer Leichtigkeit, die ich versuche, ganz tief in mich aufzunehmen, um sie an trüben Herbsttagen wieder hervorholen zu können.

Foto: Camping Vallée du Lot

18.09.2025 / Bon courage

Frankreich und die Franzosen graben sich immer tiefer in mein Herz ein ♥️. Vorgestern stand ein französischers Pärchen neben mir, unterwegs mit einem Bulli. Wir wechseln erst nur ein paar Worte, aber sind uns irgendwie direkt sympathisch. Am Morgen dann reisen sie ab, sind gestern Abend aber plötzlich wieder da. Ich frage, ob das vorgesehen war und sie lachen “ No, mais c’est très joli ici“. Wieder wechseln wir ein paar Worte und ich wünsche mir, noch besser französisch zu sprechen. Heute morgen dann fragt sie mich nach meinen Schmerzen und erzählt, dass sie Krankenschwester war und fragt weiter, ob ich Übungen mache. Als ich sage, dass ich mich nicht traue, irgendwelche Übungen alleine zu machen bzw. Angst habe, vom Boden nicht wieder hoch zu kommen 🙈, fragt sie, ob wir es gemeinsam versuchen sollen. Und dann nimmt sie sich die Zeit, und macht die Übungen mit mir und cremt mir sogar noch den Rücken ein. Wieder könnte ich weinen über so viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit.

Ach ja, und eine Empfehlung für Medikamente ohne Verschreibungspflicht auf Kräuterbasis bekomme ich auch. Und um Ende ein liebevolles „Bon courage“. Ich bin so unendlich dankbar, dass mir so viele von diesen guten Menschen auf dieser Reise begegnen:

«La chaleur des uns réchauffe le cœur des autres.»: „Die Herzlichkeit der einen wärmt das Herz der anderen.“ 😍😍😍

Foto: Camping Vallée du Lot