AUS.ZEIT. – Fotos und Gedanken – Woche 4
01.08.2025 / Ein neuer Blick auf die Dinge
Ganz offiziell beginnt sie heute, meine Auszeit. Alles bisher war einfach nur Urlaub 😉. Den Tag heute verbringen wir in Frias: eine Burg, Häuser, die am Hang zu kleben scheinen, steile, enge, Gassen und eine der ältesten Brücken über den Ebro. Wunderschön. Dass wir heute hier sind, verdanken wir ChatGPT – ich mag es kaum zugeben, aber der Tipp war gut. Bei der Besichtigung der Burg blicken wir hinunter auf die Dächer der Stadt und ja, über den Dächern relativiert sich so einiges. Genau das wünsche ich mir für die kommende Zeit: Abstand vom Alltag, von Erwartungen, vom Müssen. Ein Stück höher steigen – innerlich wie äußerlich – und mir erlauben, die Dinge neu zu sortieren: Man braucht von Zeit zu Zeit einen anderen Standpunkt, um die Welt wieder neu sehen zu können.
Foto: Frias

02.08.2025 / RÜCKEN.DECKUNG.
Im Schutz der Felswand liegt die Ermita de Santa María de la Hoz. Die Felsen wirken wie eine natürliche Schutzmauer – als würden sie der Kirche den Rücken stärken, sie halten, sie bewahren. Seit Jahrhunderten.
Dieser Anblick berührt mich. Vielleicht, weil ich spüre, wie wichtig genau das ist: Rückhalt zu haben. Nicht allein zu stehen. Zu wissen, da sind Menschen, die mir den Rücken stärken und Halt geben.
Vielleicht ist es genau diese RÜCKEN.DECKUNG., die es möglich macht, sich vom Leben berühren zu lassen. Die Neugier nicht aufzugeben. Immer wieder aufzubrechen, zu entdecken, zu lieben.
Was für ein Segen.
Foto: Ermita de Santa Maria de la Hoz

03.08.2025 / Summer in the city
„Summer in the city“ – der Song passt perfekt zu diesem Tag.
Es ist heiß, richtig heiß, und doch schlendern wir durch Burgos, lassen uns treiben, schauen, staunen, genießen. Die warme Luft hüllt uns ein, lässt uns ein bisschen träge werden – und gleichzeitig spüren wir diese ganz besondere Sommerfreude.
Es ist diese einzigartige Mischung aus Leichtigkeit, Sinnlichkeit, Freiheit und Genuss. Die Zeit scheint ein bisschen langsamer zu fließen, so als hätte sie beschlossen, uns genügend Zeit zu geben, Lichtreserven zu tanken und die Atmosphäre des Tages aufzusaugen.
Und so lassen wir uns heute einfach treiben und tragen: von der Wärme, vom Licht, vom Leben.
Foto: Burgos

04.08.2025 / Jeder Abschied ist auch ein neuer Anfang
Heute muss ich mich von meinen beiden Nichten verabschieden und starte damit in meine eigentliche Auszeit. Der Abschied fällt mir schwer – so sehr ich mich auch auf die Zeit für mich und den Raumgewinn in Bruno freue. Trotzdem kommen immer wieder die Tränen, kleine Wellen der Traurigkeit, die mich daran erinnern, wie schön die gemeinsamen Tage waren und wie sehr mir diese Menschen am Herzen liegen.
Beim Bummel durch die Stadt lande ich in einem kleinen Laden, der von Schwestern eines Klosters betrieben wird. Eine von ihnen tritt auf mich zu, lächelt und fragt: „What’s your name?“ Und dann, ein paar Fragen später: „We will pray for you, Katja. You are never alone!“
Wie passend, wie tröstlich und zugleich wie ein kleiner Segen inmitten dieses Abschieds. In diesem Moment spüre ich: Ich bin nie wirklich allein. Da ist die Gegenwart Gottes, eine Kraft, die mich trägt, und da sind Menschen, die mit mir verbunden sind – auch über Kilometer hinweg.
Foto: Ich 🙂

05.08.2025 / Die Kraft des Unerwarteten
Bei einer Radtour lande ich in diesem Kloster, das eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt und mich sofort in seinen Bann zieht. Der ganze Ort packt mich auf eine Art und Weise, die ich kaum in Worte fassen kann. Ich bin dankbar für mein E-Bike, ohne dass ich hier sicher nicht gelandet wäre.
Und während ich so dastehe und den Ort auf mich wirken lasse, wird mir klar: Es sind oft genau diese kleinen, unerwarteten Momente, die den stärksten Eindruck hinterlassen. Momente, die neue Perspektiven schenken, Gedanken lenken und uns daran erinnern, innezuhalten. Leise, unscheinbar – und doch voller Kraft.
Foto: Cartuja de Santa Maria de Miraflores

06.08.2025 / Vertrautheit und Vertrauen
„Das Vertraute ist der gute Boden für mein Zutrauen ins Neue.“
Ich bin wieder zurück im Baskenland, an einem Ort, der mir vertraut ist. Es ist wie ein Nachhausekommen und ich bin froh und glücklich, wieder hier zu sein. Noch während ich mich wie eine Schneekönigin über all die vertrauten Plätze und Ecken freue, frage ich mich warum das genauso ist.
Vielleicht, weil Vertrautheit und Vertrauen zusammengehören. Vielleicht, weil mir das Vertraute die Sicherheit gibt, das Neue zu wagen. Und vielleicht trägt ja wirklich das eine das andere.
Foto: Zarautz

07.08.2025 / Ein Geschenk aus heiterem Himmel
Dieser Tag heute ist ein Geschenk aus heiterem Himmel – perfekt von Anfang bis Ende.
Abwechselnd kullern mir die Tränen die Wange hinunter, und ich grinse wie ein Honigkuchenpferd. Genau solche Tage habe ich mir gewünscht: Vollkommene, perfekte Tage – für mich!
Schon morgens zieht mich die Sonne nach draußen. Ich mache einen kleinen Spaziergang zu den Resten eines alten Bergwerks unterhalb des Campingplatzes. Das Licht bricht sich im Wasser, tausend funkelnde Punkte tanzen auf den Wellen – und schon jetzt kommen mir die Tränen.
Mittags radle ich nach Zarautz, genieße ein Glas Vino Blanco und Pintxos vor einer Bar, lausche dem Geschnatter um mich herum und bleibe einfach sitzen, lese noch ein bisschen in meinem Buch – und kämpfe wieder mit den Tränen.
Später geht es ab ins Meer. Das Wasser ist türkis, blau, alles auf einmal, die Wellen kraftvoll und hypnotisierend. Stundenlang könnte ich zuschauen und zuhören – und wieder weine ich, überrascht, wie sehr ich das Meer die letzten Jahre vermisst habe. Nach einer kleinen Siesta auf dem Campingplatz zieht es mich erneut ans Wasser. Die Flut ist am Abklingen, die Wellen ziehen kräftig hinaus. Minutenlang stehe ich am Ufer, zögere – dann schließlich wage ich den Sprung hinein. Welch ein Glücksgefühl, mich getraut zu haben!
Die Krönung des Tages ist der Sonnenuntergang. Mit einem kleinen Picknick, Vino Blanco und Pipas ausgestattet, spaziere ich noch einmal zu den Überresten des Bergwerks. Auf einer Treppe mit Blick auf die untergehende Sonne finde ich meinen Platz – und weine erneut vor Glück. Zurück am Campingplatz, ein bisschen Musik, frisch gewaschene Bettwäsche – und ein perfekter Tag endet.
Immer wieder habe ich mich heute dabei ertappt, wie ich leise vor mich hinsinge „Heute ist ein guter Tag, um glücklich zu sein… “
Foto: Zarautz
