AUS.ZEIT. – Fotos und Gedanken – Woche 13

03.10.2025 / Herzenswunsch

Jeden Tag geht es meinem Rücken ein Stückchen besser und so haben wir uns heute eine klitzekleine Wanderung vorgenommen. Saignon ist unser Ziel, eines der vielen Bergdörfer im Luberon. Die Häuser des Dorfes hängen hoch oben am Felsen wie ein Nest auf einem Bergvorsprung. Die Gassen sind eng, die Treppen steil, die Häuser mit bunten Fensterläden und kunstvollen Türgriffen versehen. Buntes Weinlaub rankt sich an den Steinhäusern empor und überall gibt es kleine Nischen, meist mit zwei Stühlen und einem kleinen Tisch und Blumen darauf. Bei so viel Schönheit geht mir das Herz auf.

Und dann stehen wir ganz oben an einem Aussichtspunkt, drehen uns wieder im Richtung Dorf und blicken auf dieses Herz aus Efeu. In diesem Moment scheint das Licht des Himmels in diesen Tag zu fallen. Licht, das mein Herz wärmt und meine Augen strahlen lässt. Und ich habe einen stillen Wunsch: Dass meine Augen und mein Herz immer so weit offen sind, dass sie sehen und spüren können, welcher Zauber in jedem einzelnen Tag verborgen liegt.

Foto: Saignon

04.10.2025 / Genussmomente

Ich gebe es zu: Französische Märkte ziehen mich jedes Mal aufs Neue in ihren Bann. So auch der Wochenmarkt in Apt: Kisten voller Obst und Gemüse, Seifen in ihren Holzkästen, Käse, Salami, Kräuter und Lavendel – alles schön beschriftet und mit einer Sorgfalt arrangiert, die das Auge genauso anspricht wie die Sinne. Hier begegnet man der französischen Liebe zum Detail, dieser besonderen Art, dem Alltag Schönheit zu geben, ohne dass es aufwendig wirkt.

Und das Besondere heute: An den Ständen zeigt sich das Nebeneinander von zwei Jahreszeiten ganz selbstverständlich: das Gelb der Zitronen neben dem satten Rot der Tomaten – beide erzählen noch vom Licht des Sommers – und gleich daneben die erdigen Pilze, die den Geschmack des Herbstes in sich tragen. Fülle und Abschied zugleich.

Und zwischen all diesen liebevoll präsentierten Lebensmitteln habe ich das Gefühl, dass es hier nicht nur ums Kaufen geht, sondern v.a. auch und ums Schmecken und Genießen – des Essens, des Moments, des Lebens selbst.

Foto: Apt

05.10.2025 / Türen erzählen Geschichten

Türen erzählen Geschichten: Von Menschen, die kommen und gehen.
Vom Aufbrechen und vom Ankommen.
Von einem Leben davor,
und einem dahinter.

Ich stelle mir vor, wie die, die hier wohnen,
am Abend zurückkehren.
Wie sie kurz die Schlüssel suchen,
und dann – noch bevor sie den Griff berühren –
leise lächeln.
Weil diese Tür ein Stück Zuhause ist, ein Stück ihrer Geschichte erzählt.

Und auch mir erzählt sie heute etwas:
Man kann Dinge verändern.
Kreativ sein. Aus der Reihe tanzen. Auffallen. Sich das Leben bunt malen,
den Alltag ein wenig heller machen.
Wenn man sich nur traut, den ersten Strich zu setzen.

Ja, Türen erzählen Geschichten. Und jeder schreibt ein Stück davon selbst.

Foto: Manosque

06.10.2025 / Geweint vor Glück

Steile Felswände, smaragdgrünes Wasser, viel Grün und über allem Sonnenschein und blauer Himmel: Die Gorge du Verdon, der tiefsten Canyon Europas, beschert uns heute jede Menge Ui-ui-ui-Momente: Momente, die man am liebsten mit dem Herzen fotografieren möchte, um sie wie kleine Schätze in Erinnerung zu behalten.

So auch hier, am Aussichtspunkt an der Route des Crêtes: Unter uns die Schlucht, über uns die Sonne – und am Himmel ziehen Geier majestätisch ihre Kreise. Erst später lese ich, dass es Gänsegeier sind, die mit einer Länge von bis zu einem Meter und eine Flügelspannweite von über 2,60 Metern zu den größten Vögeln Europas gehören. In diesem Moment aber zählt nur das Staunen.

Und während ich so dastehe und genieße, steigen mir die Tränen in die Augen, weil dieser Moment so unfassbar schön ist und ich so dankbar bin, dass ich ihn erleben darf. Ich stehe einfach nur da und denke: Mein Gott, ist die Welt schön!

Und dann nehme ich einen tiefen Atemzug, drücke in Gedanken auf den Auslöser und schließe das Bild fest im Herzen ein. Eine MOMENT.AUFNAHME. für den persönlichen Glücksspeicher 😍.

Foto: Gorge du Verdon

07.10.2025 / Unspektakulär schön

Es ist einer dieser Plätze, die nicht viel brauchen, um zu wirken: Ein paar Tische und Stühle verstreut im Schatten einer großen, alten Platane. Einladend. Gemütlich. Das Spiel von Licht und Schatten an den Wänden der Häuser. In der Luft ein paar leise Stimmen und das Rascheln der Blätter. Alles wirkt leicht, unaufdringlich – als würde die Zeit hier in ihrem eigenen Tempo gehen.

Vielleicht ist genau das der Zauber solcher Orte, die in keinem Reiseführer stehen: dass sie nichts versprechen und nichts Besonderes wollen, aber genau dadurch etwas in uns zum Klingen bringen.

Foto: Manosque

08.10.2025 / Auf den zweiten Blick

Manchmal liegt das Besondere genau da, wo wir es nicht vermuten…

Eigentlich ist es nur eine Pflaume. Nicht besonders groß, nicht besonders klein. Doch einmal aufgeschnitten, liegt plötzlich ein Herz vor mir. Es ist, als ob das Leben mir ein Zeichen hingelegt hätte! „Schau hin. Hier ist mehr, als du denkst.“

Das Wesentliche zeigt sich oft erst auf den zweiten Blick. Häufig übersehen wir, was in der Tiefe liegt – unter der glänzenden Schale, hinter dem ersten Eindruck: Das Herz, der Kern, das Eigentliche. Aber es lohnt sich, nach dem ersten Blick einen zweiten zu wagen, zum Kern vorzudringen, denn dort liegt, was wirklich zählt 💜.

Foto: Correns

09.10.2025 / Wachstum braucht Zeit

Heute sind es die Olivenbäume, die meinen Blick auf sich ziehen. Die Bäume hängen voll mit Früchten und zeigen das ganze Farbspektrum des Werdens: von Hellgrün über Zartrosa bis Tiefviolett.
Nicht jede Frucht ist gleichzeitig reif, und jede erzählt ihre eigene Geschichte – von Sonne, Wind, Regen und Zeit.

Wachstum braucht seine Zeit und verläuft nie bei allen gleich. So ist es in der Natur – und so ist es auch bei uns. Farbe entsteht nach und nach; es gibt kein festes Tempo, kein „richtig“ und kein „falsch“.

Vielleicht ist das die leise Erkenntnis dieses Tages:
Wir brauchen Zeit, um zu wachsen, zu reifen und Farbe zu gewinnen – innen wie außen.

Foto: Correns